Philosophische Selbstverortung

Ich arbeite an der Frage, wie Theorie im weitesten Sinne – womit Verstehen, Sprache, Vernunft und Wissenschaft angesprochen sind – mit der kulturellen Praxis verknüpft ist.

Vernünftiges Denken reklamiert für sich, unserem Handeln als Maßstab zu dienen, in der Ethik wie in der Wissenschaft. Und doch ist Denken auch eingebunden in Kultur, Geschichte und Praxis.

Dieser Konflikt wurde im 20. Jahrhundert vor allem am Thema der Sprache manifest.

  • So ist das 20. Jahrhundert partiell dominiert von der Sprachphilosophie, die tendenziell Sprache mit Geist identifiziert. Hier ist vor allem die (post-) analytische Sprachphilosophie zu nennen. Diese Tradition eint ein stark affirmatives und zugleich reduziertes Verständnis der Vernunft. Denken wird als wesentlich transparent, reflektierbar und kontrollierbar begriffen. Hinter dieser Grundhaltung steht ein affirmatives Verständnis der Moderne und der Naturwissenschaft.

  • Gegen diese Haltung wurden Ansätze entwickelt, die alternative Leitbegriffe wie Körper, Medium oder Praxis bevorzugen. Hier wird Wissenschaft und Moderne nicht rundheraus affirmiert, sondern kritisch auf Machteffekte, unthematische Voraussetzungen und irrationale Momente befragt. Hier interessieren mich vor allem die Kulturtheorie und die Soziologie. Aber auch der Poststrukturalismus oder Foucaults Genealogie zählen für mich zu den Versuchen, auf diese Weise die Einseitigen des modernen Vernunftverständnisses kritisch zu revidieren.

Es ist falsch, sich “für” oder gegen eine dieser Seiten entscheiden zu wollen.

Diese Einsicht sehe ich vor allem im amerikanischen Pragmatismus (Dewey, Peirce) vertreten, der deshalb derzeit im Mittelpunkt meiner systematischen Überlegungen steht. Diese Tradition zeichnet aus, das sie die Spannung zwischen Denken und Handeln selbst in den Mittelpunkt ihrer Erläuterung des Geistes stellt.

Sachlich richtet sich daher mein Interesse vor allem auf Prozesse und Gegenstände, in denen sich Sinn, Denken oder Theorien manifestieren. Daher rücken in dieser Perspektive Medien und die mediale Konstitution von Denken (wie sie etwa in Derridas Schriftbegriff erörtert wird) ebenso in den Blick wie Artikulationsprozesse, zu denen wissenschaftliches Forschen ebenso gehört wie Narration.

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